Kann man mit zeichnen die Handschrift verbessern? Durch unsere Medien geistert immer wieder die Meldung unsere Schüler könnten heute schlechter schreiben als früher. Ihre Handschrift wäre zu unsauber, sie könnten nicht schnell genug schreiben und insgesamt komme es immer öfter zu Krämpfen in den Händen.
Da Schreiben eine Art des Zeichnens ist, habe ich mir über dieses Thema einige Gedanken gemacht von denen ich in diesem Artikel erzähle.
Das findest du in diesem Artikel:
Kann zeichnen unsere Handschrift verbessern?
Als eine Art Dauerbrenner unter Politikern wie Lehrern, Eltern und Schülern ist das Thema Handschrift bzw. handschriftliches Schreiben von Kindern. Laut verschiedenen Studien und Beobachtungen können es immer weniger Schüler – immer weniger lange genug und leserlich genug. Es ist also sinnvoll die Handschrift verbessern zu wollen.

Schreiben Schüler heute wirklich schlechter als früher?
Angeblich werden deutsche Schüler immer schlechter bei ihrer Handschrift. Sie wären zu langsam, schreiben zu unleserlich und mehr als 60 Prozent der Kinder tut das längere Schreiben mit der Hand weh. Die Probleme spitzen sich mit zunehmendem Alter sogar eher noch zu.
Auch mir tat die Hand weh, besonders wenn es schnell gehen sollte, verkrampfte ich mich und musste mich regelrecht zwingen dabei noch leserlich genug zu schreiben. Denn das Tempo war bei manchen Lehrern extrem hoch – besonders bei den weiterführenden Schulen, da steigt auch der Anspruch auf Leserlichkeit bzw. Optik der Handschrift, was dann auch mit in die Benotung einfließt.
Schneller schreiben, auch im (beruflichen) Alltag heißt meistens unleserlich schreiben, auf die Gefahr hin später nicht mehr alles entziffern zu können.
Die Ursachen?
Glaubt man den Lehrern, so liegen diese Probleme in der Grundschule eher in der Feinmotorik und an den weiterführenden Schulen im mangelndem Interesse am Schreiben per Hand begründet. Wenn das Interesse schon nicht in der Grundschule geweckt wurde, gibt es meiner Meinung nach aber auch keine Anreize dies einige Jahre später zu machen. Hier sind digitale Eingabegeräte wieder ausschlaggebend dafür, dass man es auch einfach nicht machen muss, das Schreiben mit der Hand.
Vielmehr meinen die Lehrer, dass Kinder, die gerne schreiben, auch lieber ihre Hausaufgaben machen und daher besser benotet würden was sie wiederum motiviere. Ich glaube, dass da weniger dran ist, denn das grundsätzliche Interesse an einem Thema bzw. Fach muss doch schon vorhanden sein, damit sich ein Kind Mühe beim Schreiben und den Hausaufgaben gibt.

Und ob schlechte Schüler nur wegen ihrer schlechten Handschrift keine Lust auf Hausaufgaben haben, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Spielen, chillen, sich mit Freunden treffen ist insgesamt einfach interessanter als lästige Verpflichtungen nach der Schule (kenne ich aus meiner Schulzeit ja auch noch sehr gut 🙂 ).
Mädchen schreiben besser als Jungs?
Einhellig ist die Meinung darüber, dass Mädchen lesbarer schreiben als Jungs. Sie sind motivierter ihre Schriften über das gelernte Grundwissen hinaus zu entwickeln und arbeiten daher eher an ihrer Handschrift. Jungs, die weniger diese Tendenz haben, schreiben daher unleserlicher und grobmotorischer.
Bei dieser Behauptung der Studie glaube ich eher, dass da was dran ist, denn Mädchen bzw. Frauen zeichnen und malen auch deutlich öfter als Männer, sie haben schlicht mehr Interesse an schönen Dingen wie Design und kreativem Erschaffen. Diese Tendenz zeigt sich beispielsweise auch in meinem Forum, in dem der Frauenanteil deutlich höher liegt als der Männeranteil.
„Das Männlich zu Weiblich Verhältnis beträgt 1:2.2“
(www.zeichnen-forum.de / Stand: 5.8.2015)
Die Handschrift verbessern: Problem Schreibmotorik?
Dass die Schreibmotorik bzw. das Feingefühl für das leserliche und schmerzfreie Schreiben leidet, sehen viele Lehrer in der zunehmenden Digitalisierung und daher mangelnder Übung – insbesondere zuhause – begründet.
Ich finde, das hat damit nur bedingt etwas zu tun. Denn wer z.B. viel zeichnet, hat eine gute Feinmotorik. Allerdings ist dieses schnelle Schreiben und Mithalten wollen unter Zeitdruck (in Klausuren und Diktaten) eine psychische Belastung, die sich physisch auf die Hand auswirkt.

Schneller zu schreiben als man es gewohnt ist, führt zu Verkrampfungen. Es ist als müsste jemand, der nur gemütliche Spaziergänge gewohnt ist, auf einmal einen Marathon laufen. Daher könnte man eher anmahnen, das schnelle Schreiben intensiver zu üben und Anreize zu liefern, dass die Schüler dies zuhause auch tun.
Abschaffung der Schreibschrift?
Ich habe in meiner Grundschulzeit noch die Lateinische Ausgangsschrift gelernt und fand diese einerseits optisch ansprechend und andererseits ideal um längere Texte flüssig zu schreiben.
Mein kleiner Bruder hat vor wenigen Jahren bereits die Vereinfachte Ausgangsschrift gelernt, welche mehr die Druckbuchstaben mit der Schreibschrift vereint. Ich fand diese umstrittene Schrift sieht ziemlich unbeholfen und vergleichsweise schwierig bzw. mühsam aus.

Es soll zwar eine Erleichterung sein die ganzen Bögen und Schnörkel weg zu lassen, aber ich fasste sie weniger als Belastung, denn als Unterstützung auf. Denn wenn ich ohnehin grade im Schreibfluss bin, dann hilft mir eine geschwungene Linie als Verbindung zum nächsten Buchstaben persönlich wesentlich mehr als nach jedem Buchstaben zu pausieren um dann den nächsten anzusetzen.
Laut FAZ gibt es Hinweise darauf, dass eine verbundene Handschrift auch das Lesen lernen erleichtert, da hier nicht einzelne Buchstaben sondern nach Silben und Morphemen geschrieben wird, so wie wir es auch sprechen.
Eigentlich sollen Grundschüler, die in weiterführende Schulen entlassen werden, eine verbundene Handschrift beherrschen. Da es aber keine verbindlichen und einheitlichen Regeln gibt, behandelt jede Schule, sogar jeder Deutschlehrer, dieses Thema mit einer anderen Priorität. Zudem stiftet das recht kurzfristige Umschulen von einer auf die andere Handschrift im Grundschulalter eher Verwirrung, sodass die Übung darunter leidet und die Handschrift noch schlechter wird.
Umso verwunderlicher, dass angeblich finnische Grundschulen die klassische Schreibschrift abschaffen wollten. Nun, glücklicherweise ist da nichts dran. Aber durch die Verwirrungen mit den Handschriften im Grundschulalter tut man den Kindern so oder so keinen Gefallen.
Warum wir noch per Hand schreiben
Auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag, doch unsere Handschrift ist selbst heute im digitalen Zeitalter nicht unnütz geworden. Es sollte eigentlich nicht schwer fallen seinen Kindern zu erklären warum wir noch per Hand schreiben.
Gefühlt haben wir es schon immer, amerikanische und französische Studien belegen sogar, dass ganz andere Hirnareale angesprochen werden als es beim Tippen auf einem Display der Fall ist. Dies führt dazu, dass das handschriftliche Schreiben von Text das Verstehen und bessere Merken des Inhalts begünstigt. Dies machen sich Schüler und Studenten seit Generationen zu Nutze und sollte daher auch in Zukunft nicht vernachlässigt werden.
Und auch in unserem Alltag ist Schreiben noch präsent: sei es die klassische Einkaufsliste oder Notizen, die wir uns während eines Telefonats oder Meetings machen. 😉
Alte Sünden, neue Sünden
Früher war es der Kuli , der angeblich die Handschrift verdirbt. Man sollte doch lieber mit einem Füller schreiben – hier schreibt es sich tatsächlich erheblich langsamer und geschwungener um die Feder nicht kaputt zu machen. Als interessanten Aspekt finde ich auch, dass Kinder sich die Erwachsenen in ihrem Umfeld als Vorbild nehmen. Diese schreiben bevorzugt mit Kugelschreibern, also möchten die Kinder dies auch tun um sich erwachsener zu fühlen. Heute sind es eben die digitalen Geräte, welche die Handschrift verderben.
Moderne Technik vs. Schreiben per Hand
- Handy / Smartphone / Tablet und Tastatur
= schneller, leserlicher aber nicht immer ohne (Tipp-) Fehler
= unbewussteres Schreiben – Fehler werden nicht mehr ohne weiteres selbst erkannt – zu viel verlass auf die Rechtschreibkorrektur - Handschrift
= bewussteres da langsameres schreiben – weil keine nachträglichen Korrekturen möglich sind, muss man sich vorab intensiver Gedanken dazu machen, was man wie schreiben will
= durch das bewusste Schreiben, kann man sich das Geschriebene besser verinnerlichen bzw. merken
Besser schreiben durch zeichnen
Schreiben ist nichts anderes als das Zeichnen und Malen von Symbolen, also kann man dadurch auch die Handschrift verbessern. Diese Symbole (Buchstaben und Worte) müssen erlernt werden – also ihr Aussehen und die korrekten Kombinationsmöglichkeiten, sowie die Darstellung (schreiben) dieser. Aber auch schon bevor wir Worte schreiben zeichnen wir Symbole, klassisches Beispiel die Herzform ❤.
Es scheint ein natürliches Interesse von Kindern zu sein zu malen und zu basteln. Dies wird in Kindergärten und im Kunstunterricht der unteren Stufen auch gerne vorgesehen. Hier sollte man die Chance nutzen, dass das Kind durch Malen die Feinmotorik entwickelt und das korrekte Halten eines Stiftes erlernt. Dies kann beispielsweise durch Ausmalbilder oder dem gemeinsamen Malen mit dem Kind geschehen.

Dabei sollte man das Interesse zu malen nicht unterbewerten und es ernst genug nehmen und qualitativ angemessene Filzstifte oder Buntstifte bereit stellen. Mit guten Materialien macht auch das Zeichnen und Malen viel mehr Spaß.
Doch nicht jedem Kind ist das Interesse über eine kurze Beschäftigung hinaus gegeben. Manche legen auch relativ schnell den Stift beiseite und möchten etwas anderes tun. Zu erkennen ob das eigene Kind Talent beim Zeichnen hat, ist halt nicht immer einfach. Mit Zwang erreicht man jedenfalls keine Motivation, sondern eher das Gegenteil. Vielleicht ist es ab und an aber schon hilfreich genug ein gutes Vorbild zu sein und selbst öfters mit der Hand zu schreiben um in seinem Kind die Neugierde schon vor der Schule zu wecken?













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