Firefly KI generiertes Bild eines Roboters

KI kann jeder – selber machen nicht!

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KI kann jeder – selber machen nicht! Warum es wertvoll ist, auch in Zukunft Fähigkeiten zu lernen, Dinge selbst zu können und zu wissen.

KI kann jeder

Die KI-Tools werden immer besser, sind oftmals kostenlos oder zumindest recht günstig auch für Laien nutzbar und ihre Ergebnisse verbessern sich jeden Monat. Wozu sollte man dann also noch zeichnen, malen, fotografieren, singen, musizieren oder überhaupt irgendwelche Handarbeit können? Wo die KI doch binnen Sekunden super Ergebnisse liefert und es ohnehin fast nur noch darauf ankommt, wo und wie man sich im Internet inszeniert?

Mein Ansinnen mit diesem Artikel ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass gewisse handwerkliche Ergebnisse „entwertet“ werden, beziehungsweise von der Gesellschaft neu bewertet werden müssen.

 

Wie schon bei den Fotos

Ähnlich, wie Fotografien nach und nach neu bewertet werden mussten, als die Digitalkameras den Massenmarkt eroberten und inzwischen fast jedes moderne Smartphone bessere Fotos macht und ohnehin immer und überall dabei ist.

Mittlerweile kann fast nur noch das geschulte Auge Unterschiede zwischen Laienfotografie und professioneller Fotografie erkennen. Auf die Schnelle sind die Qualitätsmerkmale nicht so leicht zu erkennen, oder es fehlt der Vergleich.

Zum Beispiel: man isst regelmäßig im Schnellrestaurant und bereitet sich zuhause vielleicht höchstens eine Dosensuppe zu. Wer richtig selbst gekochtes Essen daher nicht kennt, wird es nicht vermissen und seine bisherigen Mahlzeiten nicht schlecht bewerten. Wird so jemand aber auf einmal mit guter Hausmannskost konfrontiert und überzeugt, sieht er die bisherigen Essen mit ganz anderen Augen.

So Ähnlich kann man sich das mit digital, oder jetzt KI, erstellten Fotos (bzw. Bildern im Allgemeinen), geschriebenen Texten, Musik oder Film vorstellen. Für den einfachen Konsumenten sind die Ergebnisse vollkommen akzeptabel, denn es wird immer mehr der qualitative Vergleich fehlen. Qualität zu produzieren kostet nämlich Geld (allerdings wird es auch in Zukunft Firmen geben, die darauf Wert legen werden, denn man wird sich damit von der Masse abheben können).

KI generierte Bilder - Roboter-zeichnet 2 (Firefly)
KI generierte Bilder – Roboter-zeichnet 2 (Firefly)

Jetzt gibt es natürlich auch Leute, die sagen, dass die KI so gut sein wird, dass auch derjenige keinen Unterschied mehr wahrnehmen wird, der Qualität (oder auch Handwerk) gewohnt ist. Das mag objektiv betrachtet vielleicht sogar der Fall sein. Allerdings ist die menschliche Komponente, die Geheimzutat „Liebe“, ein psychischer Aspekt, der immer ein Verkaufsargument sein wird.

Wir bewerten Dinge, von denen wir wissen, dass jemand sein Herzblut, seinen Schweiß eingebracht hat, einfach anders, als wenn wir es als replizierbare „Massenware“ definieren.

Und der Maßanzug passt dann doch viel besser, als der Anzug von der Stange. 😉

 

Kreativität ist menschlich

Kreative Schöpfungen jeglicher Art folgen gewissen Regeln, welche unsere fünf Sinne stimulieren. KI kann diese Regeln zwar lernen, aber Abwandlungen, Neuschöpfungen, Spontanität und gewolltes Brechen der Regeln, das kann sie nicht.

Hätte KI je den Käse erfunden, wenn sie von all den nötigen Voraussetzungen, bis zuletzt dem menschlichen Geschmack, nichts wüsste? Erfindungen und Entdeckungen sind einerseits der Wunsch etwas Neues zu kreieren, ein Problem zu lösen oder reine Zufallsprodukte. Im Beispiel Käse dürfte das „Problem“ Milch haltbar zu machen mit dem Zufall und viel Versuch und Irrtum zum heutigen Wissensstand geführt haben.

Die KI können wir zwar mit aktuellem Wissen füttern und sie anweisen, aus diesem Wissen etwas Neues zu machen. Aber gänzlich neues Wissen generieren wird mit diesen Voraussetzungen schwierig. Letztendlich bleiben auch Praxistests bzw. Forschung nach der Theorie nicht aus. Jeder Koch wird wissen, dass ein Rezept nur perfektioniert werden kann, wenn er das Gericht kocht und probiert und anschließend verfeinert. Auch das Hinzufügen „unnötiger“ Dinge (Gewürze in dem Beispiel) können den Gesamteindruck beeinflussen.

Letztendlich geht der kreative Impuls auch bei der Verwendung von KI vom Menschen aus. Die KI selbst hat keinen Ansporn von sich heraus ein Gedicht zu schreiben, ein Lied zu komponieren oder ein Bild zu generieren. Der Konsum dieser Dinge ist ihr fremd, denn sie ist ein Programm mit einem komplizierten Algorithmus und einer enormen Datenbank, kein fühlendes, wirklich denkendes Wesen.

Darüber hinaus sind Geschmäcker und Vorlieben sehr subjektiv, teilweise kulturell oder eben dem Zeitgeist geschuldet. Das, was wir „modern“ nennen, können wir in dem Moment, in dem es modern ist, fühlen. Kommt etwas Neues, dann kann dies wieder modern werden und das bisherige wird schnell unmodern, alt und langweilig. Das ist ein Prozess, der aus menschlichen Launen und „Sättigung“ entsteht. Programme verfahren eher nach „never change a running system“.

 

Was ist Intelligenz?

Dies unterscheidet „Künstliche Intelligenz“ von echter Intelligenz – nicht das Sammeln von Wissen, sondern das kreative Lösen von Problemen OHNE jegliche Vorkenntnisse. Beim Messen dieser Intelligenz kranken im Übrigen auch die üblichen „Intelligenztests“, da sie in der Regel Wissen abfragen und keine Problemlösungen.

Daher empfinde ich Intelligenztests, welche sich für die Messung von Intelligenz bei Tieren ausgedacht wird, als wesentlich aussagefähiger, als sämtliche Intelligenztests, welche beim Menschen angewandt werden. Zudem gibt es auch Intelligenztests für Kinder, auch jene, die eine Sprache (noch) nicht beherrschen (sogenannte sprachlose Intelligenztests).

Darüber hinaus werden verschiedene Formen von Intelligenzen diskutiert. Neben dem logisch, analytischen Problemlösungsfähigkeiten gibt es die sogenannte soziale Intelligenz, welche man auch mit Empathie umschreiben kann. Letztendlich ist auch Kreativität selbst eine Art der Intelligenz.

Kreativität kann vielseitig eingesetzt werden. Einerseits um Probleme zu lösen. Andererseits zur sinnvollen Beschäftigung und für die Ästhetik.

 

KI lässt jeden „können“

Mit dem Thema „KI kann jeder“ möchte ich sagen, dass die Leute in der Lage sind kreative Ergebnisse (wie Videos, Lieder, Zeichnungen, Fotos, Texte etc.) in sekundenschnelle erstellen zu lassen, nach eignen Vorstellungen ganz ohne Vorkenntnisse in den jeweiligen Bereichen. Und komplett ohne Wissen und Erfahrung bei der Erstellung dieser Ergebnisse.

Damit werden sie einerseits unabhängig von gewissen Gate keepern, wie z.B. Musikern oder Fotografen. Können sich aber auch nicht auf die jeweilige Erfahrung stützen und ein Ergebnis nur aus der Laienperspektive beurteilen (siehe oben). Besonders bei Programmiertätigkeiten oder ärztlicher Aufklärung birgt dies Risiken, weil keine menschliche Instanz mehr das Ergebnis, welches an den Benutzer ausgespielt wird, kontrolliert. Dies muss der Benutzer selbst tun, was ihm ohne Erfahrung schwerfallen wird.

Je nachdem, was man grade warum braucht, kann die Unabhängigkeit Segen aber auch Fluch sein. Siehe dazu auch weiter unten zum Thema „halluzinieren“.

 

(Schwindender) Respekt vor Können und Wissen

Wie bereits erwähnt, werden KI-Produkte gerne im Internet verwendet. Zur Belustigung, zur Arbeitserleichterung oder komplett als Spam.

Letzteres ist das, was mich aktuell besonders nervt – irgendwelche KI generierten Videos mit schlechtem KI-Ton und schlecht zusammen geklauten KI-Inhalten. Ähnlich auch bei Webseiten, bei denen kein Mensch die KI-Inhalte mehr auf Plausibilität und Qualität prüft, sondern 1 zu 1 nutzt.

Besonders die KI generierten Fotos hängen mir als Betrachter bereits zum Halse raus, zumal ich durch die Nutzung der Tools schon zu viele von ihnen gesehen habe. Früher oder später wird das auch der 0815 Webseitennutzer merken, dass die Bilder und Videos immer öfter das gleiche „Look and feel“ aufweisen.

Perfide wird es, wenn Wissen und Können vorgetäuscht wird, in dem man die KI z.B. das Bild eines gehäkelten Figürchens oder einer wunderbaren Malerei erstellen lässt und es als seines ausgibt.

Grade in Kombination mit Social Media, bei denen das hübsche Ergebnis zählt und nicht zwingend der Werdegang, entwerten solche KI-Nutzungen wahres Können. Es wirkt fast so, als bräuchte man die Fähigkeiten zur Erstellung eines Ergebnisses ja gar nicht mehr, das Ergebnis kommt auch ganz ohne diese zustande.

Die Zeit und Arbeit, die man normalerweise in die Erstellung eines Erzeugnisses setzen muss, werden so nach und nach entwertet, weil immer weniger Menschen damit konfrontiert sein werden.

 

Was bringen wir unseren Kindern bei?

In Zeiten, in denen KI-Tools immer allgegenwärtiger werden und man nicht nur Sorge haben muss, irgendwann von ihr ersetzt zu werden, stellt sich für mich als Mutter immer häufiger die Frage, was man seinem Kind noch sinnvoll beibringen kann bzw. beibringen muss.

Inzwischen ist für meine Tochter alles, was irgendwie schräg aussieht oder am Computer erstellt wurde, KI gemacht. Quasi alles, was man auch üblicherweise händisch in einem Computerprogramm erstellt bzw. bearbeitet ist für sie KI. Es ist für sie noch nicht so leicht zu greifen, was echt ist, was manipuliert oder bearbeitet wurde und was komplett dem Algorithmus eines Programms entsprungen ist. Hier ähneln sich übrigens die Generationen, weil die Berührungspunkte mit KI bei jedem unterschiedlich groß sind.

Besonders traurig dabei finde ich, dass das Label „KI“ suggeriert, in dem Ergebnis stecke keine Mühe und Kreativität. Entsprechend wird auch alles, was am Computer erstellt wurde, in diese Schublade gesteckt, obwohl vielleicht stundenlang daran gearbeitet wurde und eine KI dies (noch) nicht kann.

Aber nicht jedes KI generierte Produkt muss gleich schlecht sein. Wer die nötige handwerkliche Erfahrung mitbringt, kann mit KI noch mehr herausholen als derjenige, der eben keine Erfahrung hat. Man darf eben nicht das Erste Ergebnis nehmen und sich auch nicht mit dem erstbesten zufrieden geben.

Abgesehen davon, zu erkennen was echt ist und was nicht, ist es sicherlich sinnvoll sein Kind früher oder später an die Nutzung dieser Werkzeuge zu führen (wie sich selbst auch). Denn in irgend einem Kontext wird man (beruflich wie privat) früher oder später damit konfrontiert werden.

Firefly KI generiertes Bild eines Roboters
Firefly KI generiertes Bild eines Roboters

 

Nachfolgende Generationen fit machen

Als besonders wichtig erachte ich jedoch, sich und die nachfolgenden Generationen unentbehrlich zu machen. Das bedeutet, dass man sich Fähigkeiten und Wissen aneignen sollte, welche nicht so ohne Weiteres ersetzt werden können.

Wissen – ob im Internet oder gedruckt – ist manipulierbar und politisch eingefärbt. Teilweise werden Informationen komplett verdreht oder ganz weg gelassen. Hilfsmittel, wie ChatGPT beispielsweise, geben auch nicht immer zu, dass sie etwas nicht oder nicht genau wissen, sondern schmücken ihre Antworten wohlfeil aus, sodass man als Fragesteller einfach ruhig gestellt wird. Man nennt dies halluzinieren.

Dieser Zustand muss freilich nicht so bleiben. Aber machen wir uns nichts vor: Alle diese Werkzeuge werden von privaten (idR. us geführten) Unternehmen betrieben, welche wiederum ihren Einschränkungen unterworfen sind. Selbst wenn es die KI also besser wüsste, heißt das nicht, dass sie dir dann auch die Wahrheit sagt. Zugeben zu lügen, würde sie zwar nie. Aber man muss schon gewitzt und kritisch sein, ALLES zu hinterfragen, was man an Antworten bekommt.

Um mal ein konkretes Beispiel zu haben: Wenn ich meine Steuererklärung mit Hilfe von KI mache, ohne einen echten Experten, der sich für die Richtigkeit der Antworten verbürgt, bin ich am Ende derjenige, der die Probleme mit dem Finanzamt bekommt. 😉

Wohl dem, der weiß, wo er halbwegs objektive Informationen finden kann. Lernen zu lernen ist daher unerlässlich. Ebenso ist kritisches Hinterfragen und sich nicht mit der erst besten Antwort zufrieden geben extrem wichtig.

Auch werden menschliche Experten so schnell nicht ersetzt werden. Als jüngstes Beispiel hatte ich mit ChatGPT herausfinden wollen, welches Geschlecht unsere frisch erworbenen Meerschweinchen haben.

Letztendlich habe ich mit Hilfe eines online Blogs einen Verdacht entwickelt und diesen von einem Tierarzt bestätigen lassen.

Die KI hat mich immer wieder beschwichtigt und mir das geschrieben, was ich gerade hören wollte, um mir ein gutes Gefühl zu geben. Die unschöne Wahrheit (ein männliches Tier hat sich unter die Mädels gemischt) hat sie mir nicht sagen wollen.

Sie hat mir auch nicht gesagt, dass sie es nicht weiß und ich zum Tierarzt gehen soll. Die Idee war meine eigene.

 

Was sollen wir also machen?

Als abschließendes Fazit meines Artikels möchte ich jedem ans Herz legen sich nicht von den Ergebnissen einer KI blenden zu lassen. Beeindruckender als überall nachzusehen oder nachzufragen ist es, etwas selbst sofort zu wissen.

Auch muss man sich nicht von dem hervorragend in Szene gesetzten Tamtam auf Social Media beeindrucken lassen. Wenn mich ein gestricktes Pullovermuster begeistert und ich wissen will, wie es zustande kommt und mich Stricken oder Handwerken reizt, sollte mich nichts davon abbringen, selbst zur Stricknadel zu greifen und selbst auszuprobieren.

Dann habe ich in echt, live und zum Anfassen mein fertiges Handwerksprojekt. Damit wird dann nicht nur die Optik oder die Akustik bedient, sondern auch die Haptik und Olfaktorik (das Riechvermögen).

Sontje malt mit Stabilo Trio Buntstift 1
Stabilo Trio Buntstift in kleiner Hand

Begreifbar wird dies auch für Kinder, wenn sie etwas in die Hand nehmen (müssen) um es zu erkunden und herauszufinden, wie man etwas benutzt oder wofür man es noch so benutzen kann.

Die Hand-Auge-Koordination ist quasi der direkte Draht ins Gehirn, um zu lernen. Daher können wir Dinge, die wir uns handschriftlich notiert haben, auch besser merken, als jene, die wir nur getippt oder eingesprochen haben.

Auch die Wiederholung, der Schlüssel zum Lernen, ist wichtig, um Gelerntes zu festigen. Intensiv und mit Interesse angewandt, kann dies sogar sehr meditativ sein. Nicht umsonst wird beispielsweise Malen oft als Therapieform genutzt, um Depressionen zu mildern oder Patienten und Rehas sinnvoll zu beschäftigen. Und sei es „nur“ das Ausmalen von Ausmalbildern.

Dieser Artikel ist kein Plädoyer dafür KI komplett zu verteufeln. Er soll anregen, sich selbst auf die Zukunft vorzubereiten und den aktuellen Stand aufzeigen und in welche Richtung es gehen KÖNNTE.

Selbst nutze ich verschiedene KI-Tools für Hobby und Beruf, sehe aber dennoch einige Aspekte kritisch (siehe oben) und versuche daher nicht zu enthusiastisch zu sein, da ich schon ein paar ernüchternde Erfahrungen mit der Nutzung von KI, auch im Kontext von Bildbearbeitung, gemacht habe.

Missversteht mich also bitte nicht. KI ist ein nützliches Werkzeug, man muss aber wissen, was es kann und was (noch) nicht und was es niemals können wird. 😉

 

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Auf welche deiner Fähigkeiten möchtest du nicht verzichten und welche Fähigkeit möchtest du gerne erlernen?

 

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