Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen

Heute möchte ich über meine Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen schreiben, welche ich hatte und wie sie mich zeichnerisch geprägt haben, sowie die Vorteile und Nachteile sich an anderen zu orientieren.

Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen

Wenn ich über Vorbilder und Einflüsse schreibe, die mich beim Zeichnen geprägt haben, dann ist dies eine sehr subjektive, also rein persönliche Erfahrung. Jeder lernt anders, jeder nimmt sich andere Vorbilder oder Anlässe als Grund zum Zeichnen und jeder fängt mit einer anderen Grundvoraussetzung an.

Früh übt sich - Kinder sind noch besonders beeinflussbar
Ein kleiner Künstler lässt sich noch beeinflussen

Wer mich nicht kennt, der sollte wissen, dass ich schon vor dem Grundschulalter mit dem Zeichnen bzw. Malen angefangen habe – zumindest kann ich mich bis an diese Zeit zurück erinnern. 😉

Am Anfang befand ich mich beinahe in einer Blase. In meinem näheren Umfeld (Freunde und Familie) hatte ich kein direktes Vorbild, das auch zeichnete und mit dem ich mich hätte austauschen können. Freilich war mein Urgroßvater ein begnadeter Zeichner und hat eine beachtliche Sammlung hinterlassen. Doch sein viel zu früher Tod erlaubte es mir nicht, ihn als Vorbild und Hilfe zur Seite gestellt zu bekommen. Und auch das kreative Geschick meines Vaters war keine Hilfe für mich, was das Zeichnen anging.

Ich war also auf mich allein gestellt. Vielmehr erfuhr ich von Mitschülern Bewunderung ob meiner Fähigkeiten. Dass ich, im Vergleich zu heutigen Jugendlichen, die das geballte Internet zur Vorlage und kreativen Input haben, eher klägliche Resultate zum Vorschein brachte, konnte ich nicht wissen – es mangelte an ernsthaften und direkten Vorbildern.

Besonders in Sachen Kritik, Fördern und Fordern hat mich dies lange Jahre auf der Stelle treten lassen. Zwar war meine Mutter in Bezug auf Anatomie meiner Zeichnungen recht kritisch und es hat mich durchaus mehr daran üben lassen. Aber als Ansprechperson habe ich sie dennoch nie gesehen. Zeichnen war für mich immer sehr privat und ein reines Hobby.

 

Andere Zeichnungen & Zeichner

Stilistisch habe ich mich dennoch prägen lassen und zwar von zeichnerischen Vorbildern, die ich quasi nach Hause bekommen habe. Da wäre zu aller erst Arielle die Meerjungfrau zu nennen, deren Verfilmung ich 1989 im Kino sah und auch kurz darauf einen Bildband geschenkt bekommen habe. Einerseits das Motiv, andererseits die Faszination für Fabelwesen und Unterwasserwelten ließen mich stundenlang üben und Meerjungfrauen zeichnen, später Portraits und Frauen allgemein.

Jeder muss üben um sich zu verbessern
Vorbilder und Einflüsse verleiten zum Üben

Mein zeichnerischer Werdegang lässt aber auch klar erkennen, dass mich die Comics von Lucky Luke und insbesondere Clever & Smart im comichaften Stil stark beeinflusst haben. Bilder abzuzeichnen ist das eine, sich die Charakteristika der Figuren einprägen und auf eigene Zeichnungen übertragen, das andere. Grade in Sachen Mimik habe ich mich sehr stark daran orientiert. Francisco Ibáñez frecher Zeichenstil, der sehr schnelllebig und gleichzeitig leichtfüßig daher kam, hat mich besonders beeindruckt. Wie viel Lebendigkeit in Mimik und Gestik, so viel Ausdruck! Das fand ich toll, finde ich noch immer. Für mich ist dieser Comiczeichner in dieser Hinsicht ein Unikat.

Die amerikanischen Comics hingegen waren mir zwar geläufig, aber mehr als die Mickey Mouse habe ich dann auch nicht gekauft und mich zeichnerisch inspirieren lassen. Ich war wohl einfach zu jung für Iron Man, Batman und Co.

Aber soweit ich das aus meinem Forum mitbekommen habe, ist es recht typisch für Zeichner, die ebenfalls in den 80er/90er Jahren mit dem Zeichnen angefangen haben, sich von Comics und Zeichentrickserien beeinflussen zu lassen. Zumindest jene, die im näheren Umfeld keine anderen Zeichner kannten oder sonstigen Einflüssen ausgesetzt waren.

In den 90ern jedenfalls gab es sehr viele Disney Zeichentrickserien (Chip & Chap, Darkwing Duck, Ducktales um nur einige zu nennen), die mich stark geprägt haben. Langsam fing auch die Anime-Zeit an und zumindest Ein Super Trio, Mila Superstar (als deutlich ältere Beispiele) und Sailor Moon habe ich sehr gerne gesehen. Zeichnerisch orientiert habe ich mich daran aber nicht, da ich bereits eine eigene Richtung eingeschlagen hatte,

 

Erst kamen die Bücher, dann das Internet

Irgendwann, kurz vor dem Schulabschluss, habe ich das ein oder andere Buch übers Zeichnen selbst gekauft. Ich war sowieso immer ein Trüffelschwein in Sachen Kunstbedarf – aber so den richtigen Zeichenladen hatten wir nicht in der Umgebung, weshalb es eher Schreibwarenläden und die Abteilungen der üblichen Kaufhäuser war.

Damals habe ich mir das Buch Zeichnen und Malen von Brian Bagnall* angesehen und festgestellt, dass ich in Sachen Zeichentechnik noch einiges zu Lernen hatte. Das theoretische Wissen aus dem Buch hat mir schon ein paar Einblicke beschert. An das Praktische mochte ich mich nicht so recht ran trauen, da es zu großen Teilen ums Malen ging und Bleistifttechniken. Zu dem Zeitpunkt habe ich lieber mit Kugelschreiber gemalt und an Materialien wie Schaber und Estompen wäre ich ohnehin nicht dran gekommen (zumal mir der Finger zum Verwischen bis dato reichte).

Bislang habe ich frei Schnauze irgendwo auf dem Blatt angefangen und habe mich dann stückchenweise an meiner Figur abgearbeitet. Dass ich die Figur insgesamt vorweg konstruieren sollte, war mir neu und ermöglichte mir ein vollkommen neues Lernen. Die meiste Zeit über standen und stehen Bücher bei mir aber nur im Regal herum. Warum ich (eigentlich sogar bis heute) eine solche Ignoranz den Büchern gegenüber hatte, kann ich eigentlich gar nicht sagen.

Bei einem USA-Aufenthalt habe ich Gary Faigins Facial Expression* gefunden und es hat mich sofort fasziniert, aber irgendwo auch abgeschreckt, da das Niveau weit über dem Meinen war. Das How to draw Cartoon Animals von Christopher Hart*, welches ich schon während meiner Schulzeit geschenkt bekommen habe, fesselte mich dagegen mehr, entsprach es doch meinem Können und hatte praktische Anleitungen parat. Das darin vermittelte Wissen mit den Grundformen habe ich zwar auf meine üblichen Zeichnungen angewandt, doch es hat mich extrem aus dem Takt gebracht und ich musste für mein Gefühl ziemlich viel neu lernen.

Vergleich Fotovorlage und Zeichnung - Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen
Der Vergleich mit der Realität ist besonders hart

Meine Vorbilder und Einflüsse haben sich mit dem Beginn des Internetzeitalters dann geändert. Aber diese Entwicklung dauerte natürlich einige Jahre. Zu Beginn des deutschen Internetzeitalters gab es noch keine so große Schar an Leuten, die sich dort tummelten. Ich war mit meiner Infowebseite vor bald 15 Jahren fast sowas wie ein Pionier.

Dann mit Beginn des Forums fing sich das zeichnerische Vakuum, welches ich sozusagen im Kopf hatte, so langsam mit Input von anderen Zeichnern zu füllen. Ich lernte andere Mal- und Zeichentechniken kennen, andere Materialien und andere Stile – und insbesondere andere Vorbilder und Einflüsse. Ich fing an zu begreifen, dass ich eigentlich nichts vom Zeichnen wusste. Jedenfalls war das Forum Auslöser dafür, dass ich mich intensiver mit dem Zeichnen als Technik zu beschäftigen begann und mich auch neuen Materialien zuwandte.

 

Der Spaß steht immer an oberster Stelle

Wenn man neue Vorbilder und Einflüsse bekommt, dann ist man einerseits fasziniert und möchte alle neuen Informationen am liebsten sofort umsetzen. Aber bald stellt sich auch Ernüchterung ein, wenn man feststellt, dass man in kürzester Zeit nicht jahrelanges Nichtwissen aufholen kann. Lernen ist nun mal ein sehr langwieriger Prozess, der mit Versuch und Irrtum einhergeht. Rückschläge sind wichtig für Fortschritte.

Letztendlich fängt man irgendwann an sich mit anderen zu vergleichen. Das Internet bietet dafür das perfekte Werkzeug, weil man sich Dank sozialer Medien jetzt viel einfacher mit Menschen aus aller Welt austauschen kann. Social Media kann dabei sehr hilfreich sein, aber auch abschrecken, wenn man sich seine eigene Messlatte dann zu hoch ansetzt. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Social Media sich nur bedingt für den konstruktiven Austausch eignet. Man muss sich schon eine sehr konkrete Stelle dessen aussuchen in der es um das gezielte Lernen geht (hier wären einige spezielle Facebook- oder Whatsapp Gruppen zu nennen).

Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen
Vorbilder und Einflüsse beim Zeichnen

Ein Satz Zwei Sätze 😉 , die wunderbar zu allen Herausforderungen passen, die man sich stellt lautet:

Vergleiche dich nicht mit anderen, nur mit dir selbst. Sei immer besser als du vorher warst und nicht besser als andere vermeintlich sind.

Und dass man bei all dem Ehrgeiz und Vergleichen die Lust am Zeichnen verliert, wäre nun wirklich zu schade. 😉

 

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Zeichenkurs

Ich bin eine nerdige Zeichnerin. Durchs Zeichnen bin ich zu meiner ersten Webseite gekommen und damit zu viel Fachwissen und meinen Beruf.
Am liebsten zeichne ich kleine Comictierchen oder so Zeugs mit Comicaugen - und Meerjungfrauen! ^^ Meine Lieblinge sind die Touch Marker, aber ich probiere mich - auch dank des Blogs - durch alle Materialien und Motive durch.
Ich stehe jederzeit offen für Fragen und freue mich riesig über dein Feedback! 😉

LG Steffi
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