Langzeittest: Markerfarbe vor Sonnenlicht schützen?

Es gibt Farben, die halten Sonnenlicht aus. Und dann gibt es Farben, die durch Sonnenlicht angegriffen werden.

Da die Alkoholfarbe sämtlicher Layoutmarker nicht lichtecht ist, wollte ich wissen, was mit der Farbe passiert, wenn sie länger dem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Hier das Ergebnis meines Langzeittests.

 

Was heißt „lichtecht“?

Die starken UV-Strahlen des Sonnenlichts zersetzen Farben und lassen diese verblassen. Viele Hersteller von Kunstbedarf setzen daher auf Lichtbeständigkeit ihrer Produkte.

Die Lichtechtheit einer Farbe wird wie folgt gekennzeichnet:

  • *** höchste Lichtbeständigkeit
  • ** sehr gute Lichtbeständigkeit
  • * ausreichende Lichtbeständigkeit
  • geringe Lichtbeständigkeit

Die Alkoholfarben der gängigen Layoutmarker sind allerdings nicht lichtbeständig, sodass ihre Farben mit der Zeit verblassen können.

 

Schutzmöglichkeiten

Wer lange Freude an seinem Bild haben möchte, der kann dies vor dem schädlichen UV-Licht schützen.

1. Ausschließlich Farben benutzen, welche lichtbeständig sind
– Wer Probleme von vornherein vermeiden möchte, muss explizit darauf achten, dass das Produkt auch wirklich lichtbeständig ist. Leider sind nicht alle Künstlermaterialien so haltbar. Hoch lichtbeständig sind beispielsweise die Faber-Castell PITT Artist Pen*.

2. Rahmen mit UV abweisendem Glas
– Der Schutz erfolgt durch das besondere Glas des Rahmens*. Hier muss auf speziell behandeltes Glas (auch Museumsglas genannt) geachtet werden, welches recht kostspielig ist.

3. Fixierungen mit UV Schutz
– Es gibt verschiedene Schutz-Sprays*, welche für unterschiedliche Materialien geeignet sind. Hier muss auf die Eigenschaften des zu schützenden Materials geachtet werden.

 

Langzeittest: Markerfarbe in der Sonne

Auch wenn bekannt ist, dass die Alkoholfarbe nicht lichtecht ist, wollte ich durch lang andauernde Tests ausprobieren, was das bedeutet und was wirklich mit der Markerfarbe passiert, wenn sie zu lange ungeschützt den Sonnenstrahlen ausgesetzt ist.

Gleichzeitig wollte ich aber auch schon eine der Schutzmöglichkeiten testen und habe daher meine Testfläche zur Hälfte mit UV-Schutzspray bearbeitet.

 

Universalfirnis und -fixative mit UV-Schutz

Bei der Benutzung solcher Sprays muss man aufpassen, dass die Farbfläche nicht durch das UV-Spray selbst bereits angegriffen wird. Weil die Farbe der Marker auf Alkoholbasis ist, muss hier darauf geachtet werden keine Sprays zu benutzen, welche selbst Alkohol bzw. entsprechende Lösungsmittel beinhalten.

Weil ich dies anfangs lediglich vermutete und auch keinerlei Erfahrungen mit Fixiersprays hatte, habe ich mir zwei Sprays zum Testen angeschafft.

 

Fixativ, Sprühfilm und Firnis

Die meisten Schutzfilme sind in erster Linie für die (Schluss-) Fixierung von trocknen oder nassen Malereien in Acryl, Goache, Öl, Pastell, Kohle usw. gedacht. Dabei gibt es diesen Schutz entweder zum Aufpinseln oder zum Aufsprühen aus der Dose.

Neben den von mir gewünschten UV-Schutz bieten diese Fixierungen je nach Machart auch noch Eigenschaften wie Alterungsbeständigkeit, sind wasserabweisend, bezinfest sowie stoß- und kratzfest. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Dose, denn nicht jedes Fixativ bietet den selben Schutz.

UV-Schutzspray Schmincke Universal Fixativ

UV beständig sind beispielsweise die Fixierungen von Liquitex*, Ghiant*, KOH-I-NOR*, Lukas* und die beiden von mir benutzen von Schmincke* und guardi.

Vorsicht ist mit all diesen Sprays geboten, da u.a. Gefahrensymbole für hochentzündlich, umweltgefährlich oder Warnungen vor Hautkontakt angegeben sind. Auch ist durch ihren Geruch der Gebrauch nur in gut durchlüfteten Räumen empfohlen.

UV-Schutzspray Guardi Sprühfilm glänzend – Universalfirnis

 

Die Testbedingungen und -dauer

Ich habe erst einen Test mit hellen Farben durchgeführt und währenddessen überlegt, dass es auch sinnvoll wäre dunklere Farben ebenfalls diesen Test zu unterziehen.

Dafür habe ich zwei Farbfelder mit sechs verschiedenen Markern ausgemalt und diese dem Sonnenlicht ausgesetzt. Ich habe mir dann ein Fenster in meiner Wohnung gesucht, durch das sehr oft und lange die Sonne scheint, und habe meine beiden Testblätter daran geklebt (natürlich mit der farbigen Seite zum Licht).

Sonnentest Wie viel Sonnenlicht verträgt die Markerfarbe?

 

Getestete Marker

Für diesen Test habe ich die sechs verschiedenen Markermarken genommen, die ich in meinem Markervergleich vorgestellt habe (von links):

Getestete Marker Getestete Marker

Diese sechs Marken haben gemeinsam, dass die Alkoholfarbe nicht lichtecht ist.

 

Helle Farben

  • Testdauer: Ein halbes Jahr
    > Vom 03.12.2013 bis 06.05.2014
  • Fixativ: Schmincke Universal-Fixativ
    > Eingesprühte Fläche: Links
    > Hier störten mich von Anfang an Sprenkler, auf der Markerfarbe, die durch Anlösen der Farbe verursacht wurden
  • Benutzte Farben: eher helle Rosatöne

Dies ist mein Blatt kurz bevor ich es dem Sonnenlicht ausgesetzt habe. Links kann man recht deutlich die Sprenkler erkennen, die das Spray verursacht hat.

Helle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 03.12.2013 (Teststart)

 

An dieser Stelle erhälst du noch einen Zwischenschritt, der verdeutlicht, dass die Sommermonate sehr stark auf die Farbintensität eingewirkt haben.

Helle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 10.3.2014 (Zwischenergebnis)

 

Und so sah mein Blatt nach einem halben Jahr direkter Sonneneinstrahlung aus.

Helle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 06.5.2014 (Testende)

 

Dunkle Farben

  • Testdauer: Fast 2 Jahre
    > Vom 02.01.2014 bis 03.09.2015
  • Fixativ: guardi Sprühfilm, glänzend
    > Eingesprühte Fläche: Links
    > Dieses Spray ist wesentlich besser für die Markerfarbe geeignet
  • Benutze Farben: eher dunkle Blautöne

Dies ist die Ausgangssituation mit dunkleren Blautönen.

Dunkle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 02.01.2014 (Teststart)

 

Nach dem ersten Sommer haben sich die Farben bereits deutlich geändert.

Dunkle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 04.08.2014 (Zwischenergebnis)

 

Und so sieht das Blatt nach dem knapp 2 jährigen Test aus.

Dunkle Farbe: Sonnentest
Sonnentest vom 03.09.2015 (Testende)

 

Testergebnis

Zugegeben, in die direkte Sonne würde kaum jemand sein Bild hängen. Erst Recht nicht, wenn man um die Anfälligkeit der Farben gegenüber UV Strahlen weiß. Mein Test ist daher sehr extrem, aber mit Wirkung!

Das Verblassen der Farben würde unter normalen Umständen (Bild hängt in gewöhnlichem Rahmen irgendwo an der Wand) gewiss deutlich länger brauchen, aber früher oder später wird auch hier die Farbe verblassen, wenn sie nicht vorab und konsequent geschützt wird.

Wer sich nicht Rahmen mit Museumsglas leisten kann bzw. möchte oder sein Bild verschenkt und sicher gehen möchte, dass es lange Bestand hat, der hat mit dem UV-Schutzspray eine gute Alternative – wenn es denn das richtige Spray ist.

Außerdem sollte man sich der Gefahren für sehr helle Farbtöne bewusst sein, sie verblassen einfach schneller als dunklere Töne.

Ergebnis des Marker-Sonnentests So gruselig sieht das Blatt jetzt aus

Zudem ist mir aufgefallen, dass die Farben nicht nur verblassen, sondern sich stark verändern können. Sie sind vor allem Grauer geworden.

Rückschlüsse auf die verschiedenen Markermarken möchte ich an dieser Stelle nicht ziehen, dafür waren die Farbtöne doch zu unterschiedlich. Dennoch fällt auf, dass die Farbe der Touch Twin und der Molotow Marker besonders stark an Intensität nachgelassen hat – was die erhöhte Empfindlichkeit heller Farben nochmals unterstreicht.

Ganz nebenbei zeigt dieser Test auch, dass die Farbe von Tintenstrahldruckern ebenso unter dem Sonnenlicht leidet wie die Markerfarbe. Das Papier leidet darüber hinaus genauso unter der ständigen Lichteinwirkung.

 

Zur Beruhigung

Keine Panik! So stark wie in meinem Extremtest leiden die Bilder nicht.

Bilder, die ich vor längerer Zeit gemalt und eingerahmt habe, sehen noch so farbintensiv aus wie damals. Als treuer Leser meines Blogs erinnerst du dich doch sicher noch an mein DIN A2 Meerjungfrauen-Bild? 🙂

Beispielbild Das wurde aus meinem DIN A2 Meerjungfrauen-Bild

 

Vielleicht hat einer meiner Leser aber auch Erfahrungen mit Museumsglas oder anderen Schutzmaßnahmen?

Schreib mir deine Meinung!

 

Andere Artikel zum Thema

Mehr Informationen rund um die Layoutmarker erhälst du in diesen Artikeln:

Melanie von umecken.de hat zum Thema Lichtbeständigkeit von Copics übrigens auch einen Artikel geschrieben. Schau mal rein. 😉

 

Weiterführende Links

 

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Ich bin eine nerdige Zeichnerin. Durchs Zeichnen bin ich zu meiner ersten Webseite gekommen und damit zu viel Fachwissen und meinen Beruf.
Am liebsten zeichne ich kleine Comictierchen oder so Zeugs mit Comicaugen - und Meerjungfrauen! ^^ Meine Lieblinge sind die Touch Marker, aber ich probiere mich - auch dank des Blogs - durch alle Materialien und Motive durch.
Ich stehe jederzeit offen für Fragen und freue mich riesig über dein Feedback! 😉

LG Steffi
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6 Comments

  1. heinz-josef mess

    high zeichenfreaks und solche die es noch werden wollen. ich habe in den letzten jahren ca, 1500zeichnungen gemacht mit dem stylefile marker, in die schublade damit und weiter gearbeitet. eine arbeit lag auf den tisch und schreck nein, verblasst. mit welchem fixierer kann ich da noch was retten? und da die firma, bei der ich seit jahren diese stifte einkaufe mich in keinster weise darauf hingewiesen hat, das die stifte nicht lichtecht sind, und auch an den regalen nicht darauf hingedeutet wurde müßte ich die doch belangen können, oder? immerhin habe ich jeden tag zwischen 10-15stunden gearbeitet(bin künstler). alles umsonst??? die in den kisten gelegenen werke sind noch farbecht, auch nach einem jahr, aber wehe dem wenn ich die ausstellen will, das wäre doch peinlich. und dabei war ich so glücklich neues entdeckt zu haben. also, gibt es ein fixiermittel für diese stylefile marker, würde mich herzlichst auf eine antwort freuen, es geht um ca 1500 zeichnungen wenn nicht noch mehr!!! grüße ihr heinz-josef mess

    1. Hallo heinz-josef,
      danke für deinen Kommentar.

      Aber das meinst du doch nicht ernst, oder? Du willst den Händler bzw. Hersteller rechtlich belangen, weil du dich nicht über die Eigenschaften der Marker informiert hast?
      Keiner verspricht hier Lichtechtheit, die nicht gegeben ist. Und jeder halbwegs erfahre Künstler weiß, dass nicht alle Materialien lichtecht sind und man sie entsprechend schützen muss.

      Wie man Markerbilder schützen kann habe ich sogar in diesem Artikel erläutert. Wenn du Sorge hast, dass dies nicht ausreichen wird, musst du Drucke deiner Werke ausstellen.

  2. Das ist ein schöner Test! Ich finde es sehr schade, dass die Farben nach einem halben Jahr quasi nicht mehr zu sehen sind, bzw. die Bilder dann sehr blass sind 🙁

    Dein Ergebnis mit dem UV-Schutz ist aber spannend. Ich werde mir das guardi-Fixativ merken 🙂

    1. Hallo Melanie,
      vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Ja finde ich auch sehr schade, dass die Farben derart empfindlich sind. Da drängt sich einem die Frage auf warum es keine Lichtechten Marker gibt.

  3. Ein wirklich toller Test, vor allem über so einen langen Zeitraum! Klar hängt man Bilder nicht so in die Sonne, aber so sieht man mal, wie viel Einfluss UV Strahlung auf Stifte, insbesondere die empfindlichen Alkoholmarker hat.
    Würdest du deine anderen Bilder tatsächlich mit so einem speziellen Fixativ besprühen? In deinem Härtetest finde ich die Schutzwirkung nicht sehr groß, und es wäre für mich eher schlimm, dass es zu Spritzern und Flecken kommen kann.

    1. Hallo Ines, danke für deinen Kommentar.

      Langfristig zeigt das Spray wirklich keinen bzw. Kaum noch Schutz. Aber Mittelfristig wirkt es noch am stärksten. Ich spekuliere derzeit darauf, dass durch das sehr langsame Verblassen außerhalb der prallen Sonne das Spray effektiver schützt. Aus diesem Grunde habe ich seit dem Test mit den hellen Farben meine Bilder schon eingesprüht – und zwar mit dem weniger „aggressiven“ Spray.

      Wie hilfreich es ist, werde ich in ein paar Jahren mit Gewissheit sagen können. 😉

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