Von der Arroganz der Künstler

Im heutigen Artikel wollte ich mal wieder auf Vorurteile, Meinungen und Erfahrungen eingehen. Nicht selten sah ich mich Äußerungen konfrontiert, dass Künstler oder (gute) Zeichner arrogant bzw. eingebildet sind. Manchmal erwischt man sich selbst auch bei diesem subjektiven Empfinden. Doch was ist dran? Sind Künstler wirklich arroganter als andere Menschen?

 

Definition

Gucken wir erst mal, was man unter Arroganz eigentlich versteht.

Der Hochmut – auch Anmaßung, Überheblichkeit, Arroganz, Einbildung, Blasiertheit, Prätention, veraltet Hoffart oder Dünkel – ist eine Haltung, die Wert und Rang (Standesdünkel) oder Fähigkeiten der eigenen Person besonders hoch veranschlagt. Der Gegensatz zum Hochmut ist die Demut. Meint man mit Selbstüberschätzung eine Überbewertung eigenen Könnens, so zielen Hochmut und Arroganz auf soziale Distanz. In Haltung und Umgangsform werden sie durch Anstand und Höflichkeit gezügelt. Den Hochmut begünstigende Ursachen sind Eitelkeit und Narzissmus. Wikipedia zum Thema Hochmut.

Dieser Definition nach, möchte ich persönlich unterstreichen, dass es arrogante Künstler tatsächlich gibt. Gerade weil sich nicht wenige Künstler ihrer besonderen Stellung in der Gesellschaft besinnen und diese betonen, wirken sie oft eingebildet. Auf Außenstehende (Nicht-Künstler) kann dieser Eindruck noch stärker wirken, allerdings bekommen auch Anfänger oder nicht ganz so professionell Zeichnende des öfteren ihr „Fett weg“. Arroganz wird gemeinhin als eine negative Eigenschaft betrachtet, auf die man nicht stolz sein sollte.

Arrogant oder gelangweilt? /Pixabay - PublicDomainPictures
Arrogant? /Pixabay

 

Selbstbewusstsein vs. Hochmut

Unbestritten ist, dass man sich mit seinem Können zurecht ein gewisses Selbstbewusstsein verdient. Wobei einige eher bescheiden sind, andere dafür aber umso mehr von sich eingenommen. In der Regel wird man von Außenstehenden tendenziell als netter wahr genommen, wenn man sein Selbstbewusstsein nicht „raus hängen“ lässt. Jene, die gerne immer wieder klar heraus stellen, dass sie etwas besser können (ich will nicht sagen etwas Besonderes/ Besseres sind), zeichnen ein bestimmtes Bild von sich in der Öffentlichkeit. Zwar darf man durchaus stolz auf seine eigene Leistung sein, doch es kommt nicht sonderlich gut an zu jeder Gelegenheit (vor allem ungefragt) auf seine tollen Fähigkeiten aufmerksam zu machen.

Malende Gliederpuppe (Silke Kaiser/pixelio)
Malende Gliederpuppe (Silke Kaiser/pixelio)

 

Also nun jeder?

Allerdings gibt es auch Kunstschaffende, die sich alle Mühe geben nicht missverstanden und mit arroganten Künstlern in einen Topf geworfen zu werden. Manche haben Angst davor arrogant zu wirken, andere sind regelrecht stolz darauf. Schnell kann man bei Außenstehenden arrogant wirken, nur weil man sagt, man sei talentiert oder begabt. Andere beneiden einen vielleicht dafür, wollen aber nicht von anderen hören, wie sie es selbst auch hin bekommen können.

Engel oder Teufel? /Pixabay
Engel oder Teufel? /Pixabay

 

Wenn mans drauf hat, darf mans?

Ich habe einige Künstler erlebt, die sich sehr viel darauf eingebildet haben, dass sie Künstler sind und etwas erreicht haben. Klar darf man Stolz auf das Erreichte sein, grade dann wenn man sehr hart und intensiv an sich und seinem Können gearbeitet hat. Allerdings geht bei einigen, die sich dabei besonders besonders vorkommen, die Demut verloren und die Erinnerung an ihre eigenen Anfänge. Denn nicht selten stellen sie ihre eigenen Fähigkeiten auf ein Podest und sehen alles andere als schlechter an. Gerade dieses von oben herab ist etwas, das sehr oft missbilligt wird.

Von Kunde zu Künstler

Grade professionelle Künstler, welche von ihrer Kunst leben, müssen stets bemüht sein „Volksnähe“ zu beweisen und sich locker und freundlich zu geben. Denn wenn man seine Kunden vergrault, spricht sich dies sehr schnell herum. Wer nicht finanziell auf seine Kundschaft angewiesen ist, lässt seine Softskills gerne mal schleifen, denn dann hat man es ja „nicht nötig“ freundlich zu sein. Dass dies in Zeiten von Rezessionen und offener Kritik im Internet kurzsichtig gedacht ist, sollte einleuchten.

Geldscheine
Wenns ums Geld geht… / Pixabay

 

Von Künstler zu Fan

Wer viele Fans hat wird von ihnen nicht selten umzingelt, bekommt oftmals immer die selben Fragen gestellt und muss daher sehr viel Geduld und Zurückhaltung bewahren. Sicherlich mag es nicht einfach sein so „verehrt“ zu werden und es gibt Tage an denen man einfach schlecht drauf ist (kennt ja jeder). Man sollte dennoch die Ruhe bewahren und um Höflichkeit bemüht sein, sei man auch noch so genervt von all dem Interesse. Wenn man sich irrationalen Reaktionen und Beleidigungen gegenüber gestellt sieht (z.B. weil man nicht schnell oder adäquat genug auf Anfragen reagiert hat), dann sollte man da drüber stehen und solche Überreaktionen auch mal getrost ignorieren können. Andersherum müssen die Fans auch einsehen, dass Kunstschaffende auch ihr eigenes Leben leben und nicht immer 24/7 zum Abruf bereit stehen.

Freunde? /Pixabay
Fans sind keine Freunde /Pixabay

 

Künstler unter sich

Ich habe schon das ein oder andere Mal Äußerungen zu Bildern, welche durchaus noch verbessert werden konnten, gelesen, bei denen ich dachte, der Kommentator hielte sich für etwas Besseres. Es ist gewiss schwierig jemanden, der vielleicht noch nicht so geübt ist, wie man selbst, Tipps und Kritik zu geben. Denn schnell kann der Kritisierte dies in den falschen Hals bekommen oder den Kritiker missverstehen. Pauschal zu behaupten jemand, der etwas besser kann als andere, sei arrogant wäre unfair. Erst wenn dieser Jemand ständig andere darauf hinweisen würde, könnte man auf die Idee kommen. Der Eindruck man sei hochnäsig ist schnell passiert, nicht selten auch vollkommen unbeabsichtigt. Dennoch habe ich von fortgeschrittenen Zeichnern schon öfter Äußerungen mit bekommen, die darauf hinaus liefen, dass sie Hobbyzeichnern einen weniger hohen Stellenwert einräumten als sich selbst. Gern will man Hobbyzeichnern den gleichen Ehrgeiz aufdrücken, wie man ihn selbst hat. So kommt schnell die Schlussfolgerung vieler professionell Zeichnender, die anderen wären nur zu dumm/ faul um besser zu sein als sie sind.

Anspitzrestehaufen
Was vom Hobby übrig blieb… /pixabay

Abwertende Kommentare sind also nicht selten. Vielleicht merken es diejenigen nicht einmal, wenn sie solche Äußerungen von sich geben, aber sie nehmen billigend in Kauf andere Menschen zu verletzen. Denn es ist absolut falsch immer von sich auf andere zu schließen. Es hat eben nicht jeder die selben Ambitionen. Viele zeichnen und malen einfach, weil es ihnen Spaß macht oder ihnen einen Ausgleich zum stressigen Alltag bietet. Die Wenigsten wollen ihr Hobby zum Beruf machen oder damit Geld verdienen (Aufträge, die sich dennoch ergeben sind allenfalls ein netter Nebeneffekt).

Zitate-Ecke

Hier einige Beispiel-Zitate, welche schnell arrogant rüber kommen können:

[…] Ich finds zur Zeit auch krass wie viele Menschen anfangen zu zeichnen. Es gibt eine richtige Welle. Da mach ich mir schon ein paar Gedanken drüber, was wenn es die Szene plötzlich runter zieht? Was wenn Menschen anfangen zu zeichnen die es wirklich nur für das Geld tun? Was wenn wir anstandslose Vollidioten von Zeichnern in die Szene kriegen? Quelle: Kommentar auf Facebook (zum Thema „Wieso Künstler und Prominente so viele Hater haben“)

Diesen Kommentar empfand ich persönlich als arrogant, da hier eine ganze Gruppe von Hobbyzeichnern schlecht gemacht wird, schlicht weil derjenige „Angst“ vor der wachsenden „Konkurrenz“ hatte.

[…] Ja, Leute, ich muss sagen, ich bin schon stolz auf meine Zeichnungen, obwohl natürlich immer Verbesserungen nicht schlecht wären und ich auch gerne höre, dass ich Talent habe, aber denken diese Personen echt, ich hab ein Mal einen Stift in die Hand genommen und fertig war meine erste schön anzusehende Zeichnung? […] Quelle: Diskussionsforum Erdbeerlounge (zum Thema „Wenn man nur wollte, könnte jeder zeichnen“)

Der Post dieser Zeichnerin kam bei den Nicht-Zeichnern überhaupt nicht gut an. Da diese sich besonders auf den zitierten Absatz beschränkten und es nicht toll fanden, dass jemand stolz auf sein Talent war und es nicht verstand wieso Untalentierte einen dafür beneiden, wenn sie es doch selbst auch lernen könnten.

[…] Du bist sofort umzingelt, „darfst“ 10 Conhons auf einmal einfüllen, man reißt sich teils sogar physisch um dich und deine Aufmerksamkeit, du kannst nicht in Ruhe die Con genießen. Und 100 Leute, ob auf Cons oder per eMail/ENS, stellen dir am laaaaaauuufenden Band dieselben Fragen, die zum Teil wirklich doof und mit 30 Sekunden Google beantwortet sind. Dann fliegen dir manche kreischend an den Hals, als wären sie seit 20 Jahren deine besten Freunde während du sie weiß Gott nie zuvor gesehen hast, lassen jegliche Hemmungen fallen und sind dermaßen vertraulich und aufdringlich… […] Quelle: Diskussionsforum Animexx (zum Thema „Sind gute Zeichner eingebildet?“)

Als Beispiel der anderen Seite, dass Künstler manchmal auch einfach nur noch „genervt“ sind von all der Aufmerksamkeit, welche ihnen Zuteil wird.   Und gerne auch noch einige Zitate aus der Geschichte:

Arroganz ist die Karikatur des Stolzes. Quelle: Ernst Freiherr von Feuchtersleben, österreichischer Popularphilosoph, Arzt, Lyriker und Essayist Wo Anmaßung mir wohlgefällt? An Kindern. Denen gehört die Welt. Quelle: Johann Wolfgang von Goethe Die Arroganz der Intelligenten ist noch größer als die der Reichen. Quelle: Charles Pierre Péguy, französischer Dramatiker Arroganz ist eine Mangelkrankheit der Seele. Deutsches Sprichwort Es ist leicht, einen leeren Kopf hoch zu tragen. Libanesisches Sprichwort

 

Fazit

Man kann nicht davon sprechen, dass grundsätzlich alle Künstler arrogant seien – das wäre unfair. Doch es kommt zugegebenermaßen nicht selten vor, dass Kunstschaffende arrogant sind oder zumindest so rüber kommen. Dies ist schon der Definition von Arroganz geschuldet – sie können etwas, wenn sie es zeigen oder sich darauf berufen ist schnell die Schwelle von Hochnäsigkeit überschritten.

Einfach mal cool bleiben - Pixabay/ geralt
Be cool / Pixabay

 

Eure Meinung?

Wie sieht Eure Meinung zu dem Thema aus? Haltet Ihr Künstler für arrogant? Seid Ihr vielleicht selbst Zeichner, die missverstanden werden oder vielleicht sogar stolz darauf sind, etwas besser zu können als andere?

Findet Ihr Künstler arrogant?
Schreibt mir Eure Meinungen und Erfahrungen ins Kommentarfeld!

 

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Zeichenkurs

Ich bin eine nerdige Zeichnerin. Durchs Zeichnen bin ich zu meiner ersten Webseite gekommen und damit zu viel Fachwissen und meinen Beruf.
Am liebsten zeichne ich kleine Comictierchen oder so Zeugs mit Comicaugen - und Meerjungfrauen! ^^ Meine Lieblinge sind die Touch Marker, aber ich probiere mich - auch dank des Blogs - durch alle Materialien und Motive durch.
Ich stehe jederzeit offen für Fragen und freue mich riesig über dein Feedback! 😉

LG Steffi
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3 Comments

  1. Taku

    Ich finde die Fragestellung oben etwas undifferenziert. Nenn mir einen Namen, und ich sage dir, ob ich die Person arrogant finde. Ich gehör auch in den Topf der aktiven, deutschen Zeichner und hab eben auch Menschen, die ich mehr mag, und welche, die ich weniger mag, die, die ich offen für ihre Arroganz, selbstverliebtheit und Überheblichkeit meide, kann ich an einer Hand abzählen.
    Auf der anderen Seite bin ich genauso eine recht polarisierende Persönlichkeit.
    ich hab schlechte Tage, gute Tage, zu wenig oder an anderen Stellen zu viel Selbstbewusstsein, bin temperamentvoll und aufbrausend. Jo und nun? Ob ich stolz drauf bin oder nicht steht auf einem anderen Papier, aber ich bin eben ein mensch mit Charakterzügen. Ich hab Fehler und Makel die in der Öffentlichkeit vielleicht oder sogar höchstwarscheinlich vollkommen anders ankommen, als vielleicht von mir beabsichtigt. Und das jetzt mal auf die Masse gerechnet, dass einfach der Faktor Individuum aus der Rechnung herausgenommen wurde und einfach pauschal wir alle als arrogant bezeichnet werden, weil man, vielleicht als Außenstehender, an einen menschen geraten ist, der…suchteuchwasaus. So schnell geht das leider heutzutage in Zeiten des Internets.

    Und noch einen Punkt möchte und muss ich ansprechen, weil sich darüber leider nur wenig Gedanken gemacht werden:
    Nicht jeder kommt mit ufmerksamkeit gleich gut klar, und ich finde es eine Unverschämtheit zu sagen, dann solle man sich doch nicht im Netz oder auf Cons bewegen. Was, wenn meine Intention, meine Freude einfach der Spaß an der Freude ist? Das wissen, jemandem einen schönen Moment zu bereiten?
    Was, wenn man einfach ein sehr schüchterner oder leicht phobischer Mensch ist, Cons aber die einzige Möglichkeit sind, ein- bis zwei Mal im Jahr seine (Zeichner-)Freunde zu treffen?
    Die/Wir geraten in puren Stress. Da ist nichts mehr mit klar denken oder sich x-Mal entschuldigen, dass man mit Menschenmassen seine Probleme hat, Da schaltet man komplett auf Abwehr, was die Umwelt sehr, sehr oft sehr, sehr falsch versteht.
    Das mag jetzt ein wenig (zu) extrem klingen, wenn ich mir aber so Texte mit versteckten Nachrichten, oder recht konkrete Aussagen speziell nach Cons so durchlese…Stichwort: ganz fieses lästern.

    Ich poste im übrigen absichtlich NICHT anonym.

    1. Taku

      Und direkt das wichtigste vergessen:
      Die Kernfrage kann auf jede Hobby-/Berufsgruppe hin angewandt werden. Auf jeden, der in etwas gut ist, oder das von sich sagt.
      Nur, speziell bei uns Künstlern, sollte vielleicht in den Köpfen der Außenstehenden ein Umdenken in die Richtung stattfinden, dass wir, nur weil wir Hobbymäßig gut und gerne Zeichnen, deswegen keine besseren oder auch schlechteren menschen sind, und es vielleicht gar nicht tun, um bewudnert zu werden – und dann nicht damit umgehen können, wenn dem doch so ist.

      1. Das stimmt wohl. Ich wollte mit der Umfrage gerne eine generelle Tendenz abchecken (mit den Kommentaren sind nicht viele so schnell dabei). 😉

        Aber wie man bei den bisherigen (wenigen) Stimmen sieht, sehen es die Umfrageteilnehmer ähnlich und tippen auf „teils, teils“.

        PS: zu den Cons lasse ich mich persönlich mal außen vor, da das nicht meine Welt ist. Ich hab lediglich das Zitat genommen, weil ich die Aussage ansich treffend fand: Künstler sind auch Privatmenschen. 😉

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