Woran erkenne ich einen guten Werbegestalter?

Dieser Artikel ist für all die Kunden gedacht, welche sich nach einem Gestalter für ihre Firmenwerbung und Geschäftsausstattung um gucken und nicht sicher sind, ob sie an einen Profi geraten.

Denn Begriffe wie „Designer“ oder „Webdesigner“ sind nicht rechtlich geschützt, daher darf sich jeder „Depp“ so nennen, auch wenn er keine Ahnung hat von dem, was er da tut.

In diesem Artikel beschreibe ich, woran sie halbwegs einen Profi von einem Laien (der nur so tut als ob) unterscheiden können.

 

Warum lieber einen Fachmann?

Warum soll ich einen Profi beauftragen, der das Doppelte oder Dreifache von meinem Bekannten kostet? – Werden sich vielleicht einige fragen, welche nur ein kleines mittelständisches Unternehmen und daher nicht viel Geld für professionelle Werbung haben aber vielleicht jemanden kennen, der Webseiten und Flyer macht.

Das Sprichwort Wer billig kauft, kauft zweimal finde ich sehr gut und es passt eigentlich zu allem, wo man meint ein Schnäppchen ergattern zu können ohne auf die Qualität zu achten.

Denn abgesehen von einer laienhaften Gestaltung, welche Ihr Unternehmen im schlimmsten Fall ebenfalls als laienhaft kennzeichnet, sind auch technische Aspekte nicht zu vernachlässigen.

Wer sich etwas technisch mangelhaft gestalten und beispielsweise an eine Druckerei schicken lässt, eventuell später etwas (vielleicht auch sogar bei einer anderen Druckerei) nachdrucken lässt, stößt schnell auf Probleme wie z.B. der mangelnden Farbverbindlichkeit oder der allgemeinen Druckqualität.

Auch wenn Sie irgendwann entscheiden Ihre Werbung doch auszudehnen (entweder Plakatwerbung, Fahrzeugbeschriftung oder Werbeartikel wie Kugelschreiber), dann können sie eine falsch erstellte Wort-Bild-Marke (wie das Logo im Fachlichen heißt) entweder nur in minderer Qualität oder gar nicht drucken bzw. plottern lassen.

Solche Beispiele lassen sich viele aufführen. Denn auch wenn man anfangs „nur“ einen Briefkopf oder ein Webseitenbanner haben wollte, wissen Sie nie auf welche Werbemittel Ihre Firma später ausdehnen möchte.

Dinge wie Einmaligkeit und Wiederkennbarkeit der Gestaltung (bzw. der dazugehörigen Firma) erwähne ich jetzt mal nur so am Rande. 😉

 

Woran erkenne ich den Experten?

Zuerst einmal gibt es nicht DEN Experten. Denn verschiedene Aufgaben erfordern verschiedene Fähigkeiten und Hintergrundwissen.

Wenn Sie alles aus einem Guss haben wollen, sollten Sie sich am besten an eine professionelle Werbeagentur mit mehreren Mitarbeitern wenden, denn diese haben am ehesten verschieden qualifiziertes Personal und daher für jede Aufgabe eine ausgebildete Fachkraft zur Hand.

Hobby: Computer - Pixabay: PublicDomainPictures
Hobby: Computer /Pixabay

 

Was heißt „ausgebildet“?

Es gibt verschiedene gestalterische Berufe, welche unterschiedliche Schwerpunkte bei ihrer Ausbildung (Studium oder Berufsausbildung) haben.

Mediengestalter oder Gestaltungsstechnische Assistenten sind beispielsweise Berufsausbildungen, welche meistens nach dem Dualen System (Betrieb und Berufsschule) unterrichtet werden. Daher sind diese Berufsgruppen besonders praxisorientiert und können Entwürfe am besten technisch umsetzen.

Grafikdesigner oder Kommunikationsdesigner sind Studienlehrgänge, meist mit Praktikum in einem Betrieb. Ihre Ausbildung ist daher eher theoretisch und auf Design ausgerichtet.

Dann gibt es noch Illustratoren, welche Bilder gestalten und in erster Linie für das Künstlerische (zeichnen und kolorieren) zuständig sind.

Gestalter brauchen eine Ausbildung; Pixabay: PublicDomainPictures
Gestalter brauchen eine Ausbildung /Pixabay

Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Doch eines haben all diese Berufe gemeinsam; sie sind rechtlich geschützt. Das bedeutet, jemand, der keinen Abschluss in einem dieser Berufe vorweisen kann, darf diese Berufsbezeichnung nicht führen.

 

Die Webdesigner und Webprogrammierer

Es gibt zwar Informatikstudiengänge, welche sich mit Programmierung und Computertechnik befassen, doch diese sind einerseits nicht gestalterisch ausgelegt und andererseits nicht zwingend erforderlich um sich Webdesigner oder Webprogrammierer zu nennen.

Da es noch keinen Ausbildungsberuf mit diesen Kernpunkten gibt, darf sich jeder diese Berufsbezeichnung verpassen, auch wenn er vielleicht nicht so fundierte Kenntnisse hat wie andere auch.

Tastatur - Pixabay: Hans
Tastatur /Pixabay

Mittlerweile werden Mediengestalter in diese Richtung (non-print) ausgebildet in Verbindung mit den gestalterischen Aspekten (nicht nur im Bereich Webdesign, sondern auch in den Bereichen Video und Ton).

Doch auch hier ist die technische Umsetzung (Webdesign) nicht Schwerpunkt der Ausbildung – auch wenn es praktische Prüfungen gibt in denen man eine Webseite gestalten und umsetzen muss, wird hier bei der Bewertung mehr Wert auf die Designaspekte und ihre Nutzbarkeit gelegt als auf technisch raffinierte Umsetzung.

Mediengestalter müssen HTML, CSS und andere Programmiersprachen daher richtig im Betrieb lernen.

Und auch die SEO (Suchmaschinenoptimierer), Online-Redakteure und PR-Manager haben keinen eigenen Ausbildungsberuf. Auch hier kann man diesen Berufen nachgehen ohne ihn konkret und geprüft gelernt zu haben.

Bei all diesen Aufgaben gibt es zwar Lehrgänge und Kurse, sie entsprechen aber nie den selben Anforderungen wie es eine richtige Ausbildung tut.

 

Wie arbeitet ein Profi?

Zuerst einmal benutzt ein Experte entsprechende Programme (z.B. die der Firma Adobe). Und zwar die richtigen Programme für den richtigen Zweck. Entsprechend werden die passenden Dateiformate gewählt.

Eine Wort-Bild-Marke (Logo) wird grundsätzlich nicht in Photoshop erstellt, sondern als Vektordatei angelegt.
Auch Printprodukte (Visitenkarten, Geschäftsbriefe, Flyer, Plakate etc.) werden nicht in Photoshop erstellt, sondern in Layoutprogrammen wie z.B. Adobe InDesign oder Quark XPress.

Allein daran kann man schon einen Laien von einem Profi unterscheiden.

Professionelles Arbeiten mit professionellen Programmen
Professionelles Arbeiten mit professionellen Programmen

Für Dinge, die gedruckt werden, wird Ihnen der Fachmann (gerne auch die Fachfrau, so ist das nicht 😉 ) an die Druckart und Auflage optimierte Dateien geben. Korrespondenz mit Ihrer Druckerei ist hierbei üblich.

Allein um eine PDF drucktechnisch einwandfrei zu schreiben sind beispielsweise Kenntnisse über Colour-Management (z.B. Farbprofile), richtig angelegte Bilddateien und Typografie erforderlich.

 

Wahl der passenden Agentur

Sie sollten sich eine Werbeagentur suchen, welche sich in Ihrer Umgebung befindet, damit auch eine persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht stattfinden kann. Entweder besuchen Sie die Agentur oder sie lassen sich jemanden raus kommen.

Home Office - Pixabay: inkflo
Arbeiten von zuhause? Nicht in einer Agentur! /Pixabay

Lassen Sie sich unbedingt Referenzen zeigen und fragen Sie nach oben erwähnten Arbeitsabläufen.

Folgende Fragen könnten Sie stellen:

  • Welche Programme werden benutzt? (Legal oder illegal erworben?)
  • In welchem technischen Zustand sind die benutzten Computer und wie sehen die Arbeitsplätze aus?
  • Wie viele Mitarbeiter hat die Agentur und welche Ausbildungen können diese vorweisen?
  • Wie viele Praktikanten sind im Betrieb zur Zeit beschäftigt? (auf diesen Aspekt gehe ich gleich näher ein)
  • Arbeitet die Agentur mit einer festen Druckerei zusammen?
  • Sind Referenzen in Logogestaltung, Webdesign, SEO und Printdesign vorhanden?
    (wenn in allen Bereichen gearbeitet wird: ist für jeden Bereich jemand zuständig, der sich wirklich auskennt?)
  • Ist die Beratung kostenlos? Gibt es ein Beratungsprotokoll bzw. einen Kostenvoranschlag?
  • Ist die ausgestellte Rechnung nachvollziehbar erstellt und alle Arbeiten aufgeschlüsselt?
  • Werden Ihnen die Layout- und Rohdateien ausgehändigt, wenn Sie danach fragen?
  • usw.

 

Praktikantenbeauftragte Praktikantin

Den Begriff Praktikantenbeauftragte Praktikantin hat eine ehemalige, sehr lustige Kollegin (welche selbst eben als Praktikantin angestellt war und andere Praktikanten „anlernen“ sollte) geprägt.

Und zwar waren wir in einer Firma, in der es mehr kostenlos oder von der Agentur für Arbeit bzw. ARGE geförderte (Jahres-) Praktikanten gab als fest eingestellte Mitarbeiter.

Gelangweilte Praktikantin? - Pixabay: PublicDomainPictures
Gelangweilte Praktikantin? /Pixabay

In der Werbebranche wird sehr viel mit schlecht oder gar nicht bezahlten Praktikanten gearbeitet, da diese billige Arbeitskräfte darstellen. Sie sind unterschiedlich qualifiziert, erhoffen sich nicht selten eine Festanstellung oder Ausbildung und werden mit den selben Aufgaben betreut wie die Festangestellten (so es denn welche gibt).

Dies sind leider die Schattenseiten der Werbebranche, weshalb ich jedem jungen Menschen, welcher sich auf Ausbildungssuche begibt nur warnen kann (ein entsprechender Artikel zum Thema folgt 😉 ).

 

Eine Frage des Geldes

Schön und gut, aber wie soll ich das bezahlen? – Werden Sie sich jetzt vielleicht denken?

Dabei sollten Sie bedenken, dass Sie nicht alles auf einmal beauftragen und bezahlen müssen.
Fangen Sie erst einmal mit dem Grundpaket an. Also: eine passende CI (Corporate Identity) und darauf abgestimmtes CD (Corporate Design) wie Ihre Wort-Bild-Marke und Geschäftsausstattung (Visitenkarte, Briefpapier).

Wenn Sie Ihr knappes Budget hervor heben, wird Ihnen die Agentur sicherlich entgegen kommen, denn sie wollen ja schließlich einen Neukunden gewinnen.

Geldscheine
Das gute Geld / Pixabay

Dass Qualität nicht umsonst zu haben ist, ist leider nun mal so. Aber Sie sollten auch bedenken: nicht alles, was umsonst ist, will man auch haben (oder: geschenkt ist noch zu teuer 😉 ).

 

Fazit

Ich wollte mit diesem Artikel einmal den Kunden, die sich etwas gestalten lassen wollen, die Augen dafür öffnen, worauf sie in erster Linie achten sollten (anstatt aufs Geld).

Damit diese nicht länger auf irgendwelche Schaumschläger rein fallen, die ihnen eine schlechte Gestaltung verkaufen (weil sie einfach keine Ahnung von dem haben, was sie tun) und damit den Ruf einer gesamten Branche in den Schmutz ziehen.


Denn Geiz ist ganz und gar nicht geil und gute Arbeit kostet nun mal auch gutes Geld und braucht eine richtige Ausbildung.
😉

 

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Zeichenkurs

Ich bin eine nerdige Zeichnerin. Durchs Zeichnen bin ich zu meiner ersten Webseite gekommen und damit zu viel Fachwissen und meinen Beruf.
Am liebsten zeichne ich kleine Comictierchen oder so Zeugs mit Comicaugen - und Meerjungfrauen! ^^ Meine Lieblinge sind die Touch Marker, aber ich probiere mich - auch dank des Blogs - durch alle Materialien und Motive durch.
Ich stehe jederzeit offen für Fragen und freue mich riesig über dein Feedback! 😉

LG Steffi
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One Comment

  1. Tim Dubiel

    Sehr guter und ausführlicher Artikel. Vor allen Dingen das Unterstreichen, dass es den Beruf des Webdesigners als solchen nicht gibt. Besonders viele steigen auh quer in dieses Tätigkeitsfeld ein oder indirekt wie in meinem Fall (Business Administration with Informatics BA). Ich würde jedem Unternehmer raten sich die Qualifikationen und den Lebenslauf des Webdesigners sowie dessen Referenzen genau zu betrachten.

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