Tipps zur Pastellmalerei – Erfahrungen eines Pastellfans

Vielen Dank an Anja Teuner für Ihren informativen Gastartikel. 😉

Diesen Artikel möchte ich ganz meiner Leidenschaft widmen: dem Zeichnen mit Pastellkreide!
Ich habe manchmal das Gefühl, dass diese Farben, neben anderen – zumindest in Deutschland – ein wenig ein Schattendasein führen. Zu Unrecht, wie ich natürlich finde.

Möglichkeiten der Pastellmalerei

Freilich kann man mit Pastellen tolle Landschaften zaubern. Ich habe mich allerdings eher auf das Thema Tierporträts spezialisiert, weil ich einfach finde, dass Tiere unglaublich tolle Motive abgeben. Daher hat sich meine Farbpalette in Richtung Brauntöne entwickelt, denn diese kommen sehr häufig in Tierfell vor. Hier könnt ihr, wenn ihr Lust habt, einen Blick in meine Online-Galerie werfen.

Und diese Materialien verwende ich für meine Bilder:

Materialien für die Pastellmalerei
Materialien für die Pastellmalerei

Noch nicht abgebildet sind dabei meine wenigen vorrätigen harten Pastellkreiden (gibt es z.B. als Polychromos von Faber Castell oder als Hard Pastel Starter Set von Cretacolor). Ich taufe sie „Blöckchen-Kreiden“.

 

Mein Material im Detail – Kreiden, Papier, Verwischer

Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Pastellkreiden.

Kurz erwähnt seien die Öl-Pastellkreiden, auch oil pastels genannt. Diese verwende ich hier explizit nicht, sie sind mir zu wachsig und lassen sich nicht so gut mischen. Ich bin da mehr der „trockene“ Typ. 😉

Ich verwende seit meinen Anfängen eine 36-er Box von Jaxell. Wenngleich ich inzwischen einzelne Farben gegen mehr Braun- und Gelbtöne ausgetauscht habe. Diese Marke hat meiner Meinung nach ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Und die Kreiden gehören nicht zu den ganz weichen, sie haben eher einen mittleren Härtegrad (der Hersteller nennt sie trotzdem soft pastels). Hier habe ich die eckige Variante, es gibt aber von Jaxell es auch noch runde

Da ich mit den Kreiden mehr zeichne als male (allerdings mit fließendem Übergang), kommt mir das sehr entgegen. Je härter die Kreide, desto gezielter lassen sich einzelne Striche auftragen. Aber bei zu harten Kreiden lassen sich schlecht Flächen anlegen und das Verwischen klappt auch nicht so gut. Deshalb gilt bei mir: die Kombi macht’s!

 

Wie viele Farben braucht man?

Meiner Meinung nach sind 12 verschiedene Kreiden zu wenig, die Packungsgrößen 24-30 sind für den Anfang sehr gut. Kauft ruhig auch von einer Marke, die halbe Kreiden anbietet, da bekommt ihr für den Anfang mehr Farben für weniger Geld.

Oft braucht man von einer Farbe mehr und kann diese günstig einzeln nachkaufen, andere Kreiden braucht man fast nie. Welche das sind, merkt man erst hinterher (dies hängt sehr von den Motiven ab).

Pastellkreide
Pastellkreide

 

Weiche und harte Pastellkreiden

Bei den Pastellkreiden gilt anscheinend: je runder, desto weicher.

Vielleicht hat dies etwas mit dem Herstellvorgang zu tun, dass sich weiche Kreiden, die ja weniger Bindemittel haben, schlechter zu einer eckigen Form pressen lassen. So genau habe ich da aber bislang keine Herstellerinfos gefunden. Wie dem auch sei, alle von mir bisher probierten Kreiden, die rund waren, sind immer viel weicher gewesen.

Neben meiner Basis-Palette von 36 Farben habe ich zusätzlich so ziemlich alle Brauntöne von Schmincke einzeln gekauft, sowie Schwarz und Weiß. Diese sind sehr weich, und ich kann damit sehr gut und einfach flächige Grundierungen schaffen. Außerdem sind sie leuchtstark und fühlen sich toll an, sind aber auch teurer.

Mit diesen sehr weichen Pastellen alleine würde ich aber kein so gutes Tierporträt bzw. kein so detailliertes Fell hin bekommen – dafür sind sie eben zu soft.

 

Pastellstifte

Zusätzlich habe ich noch ein paar Pastellstifte, im Wesentlichen Schwarz, Weiß und Braun.

Stifte allein reichen mir persönlich nicht. Ich finde sie etwas zu hart, sie decken über einer grundlegenden Kreideschicht eher schlecht und sind nicht so leuchtstark. Große Flächen sind mühsam mit ihnen.

Aber: um etwa Augen und Nasen von Tieren zu zeichnen, pingelige Details also, sind sie sehr gut geeignet. Das geht mit den „dicken“ Kreiden praktisch gar nicht ohne Frust. Nur sollte man die Stifte dann direkt auf dem Papier ohne darunter liegende andere Kreide verwenden.

 

Zubehör und Papier

Zum Radieren kommt mir nichts über meinen Knetradiergummi von Faber Castell, der Graue in der Box!

Pastellkreide ist eher schwierig zu radieren, und spätestens am Schluss will ich immer zwangsläufig verteilten Kreidestaub auf dem Papier entfernen, ohne diesen zu verwischen. Das kriege ich nur mit dem Knetradierer zufriedenstellend hin, und wirklich mit genau diesem – andere Marken sind (persönliche Ansicht) da nicht so gut für die Kreide.

Dann habe ich noch einen normalen Radiergummi, aber den nehme ich zum Verwischen großer Flächen mit sanftem Druck, nicht zum Radieren selbst. Zum detaillierten Verwischen eignen sich außerdem Estompen oder einfach Ohrenstäbchen. Mir persönlich nehmen die aber zu viel Pigment an, und das stört mich dann beim Verwischen anderer, besonders hellerer, Farben. Daher bin ich recht früh auf einen „Colour Shaper“ zum Verwischen im Kleinen umgestiegen. Der lässt sich dank Gummi-Oberfläche immer wieder vollständig säubern (in meinem Bild oben das pinselartige Ding neben dem Ohrenstäbchen).

Beim Papier nehme ich gern buntes Pastellpapier, welches nicht zu dünn ist, so um die 130g/qm.

Gut gefällt mir persönlich das Mi-Teintes von Canson, aber auch Pastell-Malblöcke mit mehreren bunten Farben sind eine gute Investition. Hier nehme ich auch gern große Bögen, damit ich mich „austoben“ kann (diese gibt es einzeln im Zeichenfachhandel).

Mein Bild schneide ich dann hinterher mit einem Cutter aus und kann mir so auch noch den optimalen Ausschnitt aussuchen. Kleiner Trick: wenn man sein Bild sonst gerne auf DIN-A4 mal versehentlich zu nah an einer Seite platziert, kann man so dem vorbeugen.

 

Zusammengefasst

Ich habe also in meiner Sammlung: Mittelharte Kreiden als Basis-Ausstattung (sie sind auch billiger, am Rande bemerkt), einige ergänzende sehr weiche Pastelle (Farbpalette je nach Thema, Landschaft eher blau-grün, Tiere braun, etc.), einige Stifte, Kohlestift ist auch gut. Schwarz und Weiß als harte kleine Blöckchen-Kreiden, dazu einen Colour Shaper und einen weichen Radiergummi zum Verwischen, den Knetradierer zum Radieren. Und buntes Pastellpapier ab DIN-A3.

Das ist meine persönliche Material-Liste!

 

Beispiel-Bilder in Pastell

Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte, und ich will daher hier mal ein paar Ergebnisse von mir zeigen und kurz sagen, wie sie entstanden sind.

Kleine Anmerkung: ich hatte die Bilder fürs Web mit einem Wasserzeichen gestempelt, und da steht noch mein Mädchenname, aber das bin auch ich. 😉

 

Löwe in Pastell

Diesen Löwe habe ich mit sehr weichen Schmincke-Brauntönen grundiert. Danach habe ich alle einzelnen Haare mit den Jaxells drüber gelegt. Schicht für Schicht, die unteren Schichten dunkler. Fell ist Fleißarbeit!

Die Schnurrhaare kamen zuletzt und wurden schwungvoll mit den ganz harten „Blöckchen-Kreiden“ (geht mit weißem Pastellstift eher schlecht) eingezeichnet. Schwarze Details mache ich gerne mit einem Kohlestift.

Löwe in Pastell
Löwe in Pastell

 

Ein weiteres Beispiel: meine Wellensittiche

Der Rechte grün-gelbe ist nur mit Jaxells und Kohlestift entstanden.

Beim Linken blauen habe ich das sehr weiche Schmincke-Weiß benutzt: Sanft aufgetragen hat es eine hohe Deckkraft, sogar über anderen Kreiden und dunkleren Farben. Es ergibt allerdings keine harten Kanten (anders als die Schnurrhaare oben), aber bei dem Vogel-Gefieder kam mir das sehr entgegen, da es weiche Federn darstellen soll.

Wellensittiche Zeichnung Pastell
Wellensittiche Zeichnung Pastell

 

Wie arbeite ich mit den Kreiden?

Normalerweise grundiere ich mir die Fläche vorher mit einer Basis-Farbe, dort wo ich sie brauche (z.B. im Tierkörper). Dies ergibt dann die unterste Fell-Schicht. Danach kommen nach und nach die anderen Schichten darüber. Das mache ich Strich für Strich. Zwischendurch analysiere ich Licht und Schatten und bringe helle und dunkle Pigmente ein.

Übrigens bin ich mit Schwarz da sehr zurück haltend. Lieber probiere ich bei dunklen Stellen erstmal einen Dunkelbraunton – dies wirkt weniger heftig, wie ich finde.

Die weichsten Kreiden kommen meist zuerst, und die härtesten zuletzt (wobei es hier auch Ausnahmen geben kann). Zwischendurch kommen „Verwisch-Durchgänge“, je nach Größe der Fläche mit Radiergummi oder Colour-Shaper.

Aber, bevor ich lange schreibe: schaut auf meinem YouTube-Kanal (siehe unten) die Tutorials an, denn im Film erklärt es sich am besten. 😉

 

Der Umgang mit dem Staub

Wohl jeder, der mit der Kreide los legt, wird feststellen: es staubt!

Das lässt sich nicht vermeiden und gehört dazu. Genauso, dass die Finger schmutzig werden. Aber da ist man eben ganz nah an seinem Material.

Nur, was tun mit dem Staub? Man neigt anfangs dazu, ihn weg zu blasen. Allerdings muss ich davon dringend abraten. Einerseits wird man Staub einatmen und über die Auswirkung auf die Gesundheit lässt sich streiten. Die Pigmente sind zwar meist als ungiftig ausgewiesen (und auch ich habe am Anfang geblasen und eingeatmet, bin davon auch nicht krank geworden ;)), dennoch sollte man das vermeiden, denn Farbe gehört nicht in die Lunge.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass sich Pigmente im Raum verteilen und da tun sie das, wofür sie gemacht sind: sie färben. Daher mein Rat als jemand, der sich schon Sofas, Teppiche und Kleidung damit „verschönert“ hat: Sanft klopfen statt blasen. Außerdem vermeidet man so ungewollt Speichel auf seinem Bild zu verteilen.

Am einfachsten geht das auf einer Staffelei, wo man unten einfach ein Haushaltspapier drunter legt. Da fällt der Staub beim Klopfen drauf und am Ende klappt man das Tuch vorsichtig ein und entsorgt es mitsamt dem Staub. Wer keine Staffelei hat, sollte sich dennoch so ein Tuch bereit legen oder zumindest einen Mülleimer mit Tüte bereitstellen, in die man von Zeit zu Zeit durch Hochheben und sanftes Schütteln oder Klopfen den Staub hinein rieseln lässt. Noch besser fängt das Tuch den Staub auf, wenn es leicht angefeuchtet wird.

Außerdem bewegen sich immer Pigmente über das Papier, die man eben am Schluss restlos mit dem Knetradiergummi aufnehmen kann, wenn man den Hintergrund im Bild nicht färben möchte.

 

Braucht man Fixativ-Spray?

Brauchen tut man es meiner Ansicht nach nicht. Ich brauche es nicht mal, um irgendwelche „Zwischengänge“ zu fixieren, denn ich finde, obere Farbschichten halten auch so darauf. Manch einer nutzt angeblich auch einfach Haarspray, das wäre dann eine günstigere Alternative (außerdem riecht das besser). Fragt man verschiedene Künstler wird man aber unterschiedliche Meinungen zum Thema Haarspray als Fixativ-Ersatz hören.

Falls Fixierspray angewendet wird, empfehle ich dringend, es nur draußen zu machen. Man will das Spray ganz sicher nicht einatmen, außerdem riecht es sehr stark. Dafür wird es immer in 20-30 cm Entfernung gesprüht, da der Auftrag ansonsten zu nass wird.

Leider aber wirkt sich das Fixativ immer nachdunkelnd auf die Farben aus, sodass sie meiner Erfahrung nach einen Teil ihres Glanzes und ihrer Pracht verlieren. Mitunter gehen wichtige weiße Highlights verloren. Daher fixiere ich nicht mehr.

Wenn ich ein Bild aufhängen will, dann immer in einem Rahmen mit Glas davor. Das ist der beste Schutz. Das Motiv dabei niemals gegen das Glas reiben und auch nicht darauf fassen.

Für die Lagerung von Zeichnungen kann man sie vorsichtig in eine Zeichenmappe mit einzelnen Plastikfächern stecken oder sie im Zeichenblock lagern. Getrennt mit Frischhaltefolie, Backpapier oder ähnlichem Material mit glatter Oberfläche färben die Bilder dann auch nicht aufeinander ab.

 

Meine Pastell-Videotutorials

Auf meinem YouTube-Kanal gibt es eine wachsende Playlist mit einigen Tutorials von mir rund um Pastellkreide –  daneben gibt es noch ein paar andere Videos.

Hier ein Beispiel mit Tipps für Anfänger der Pastellmalerei:

Viel Spaß beim Anschauen und herzliche Grüße an alle jetzigen und zukünftigen Pastellfans und natürlich auch alle anderen Zeichnerinnen und Zeichner. Sendet mir gern eure Kommentare, ich freue mich.

Eure Anja

Anja vor Staffelei
Anja vor einer Staffelei

Anja

Ich heiße Anja Teuner, und bin begeisterte Zeichnerin (eigentlich schon seit der Grundschule). Seit meiner Facharbeit damals im Kunstkurs der Schule beschäftige ich mich intensiv mit Zeichentechniken und verschiedensten Materialien und Motiven. Ich habe selbst an Kursen teilgenommen und auch schon welche gegeben.

Mein Lieblingszeichenmittel wurden die Pastellkreiden – sicher trickreich, damit zu arbeiten, aber ich LIEBE diese Farben! Nun, ich liebe eigentlich alles, was farbig ist, aber diese ganz besonders 😉

Ich möchte gerne mein Zeichen-Wissen mit anderen teilen und habe vor kurzem meine Webseite dazu eröffnet.

Ich freue mich sehr über Besucher, Kommentare, Feedbacks, und natürlich immer ganz besonders über Zuschauer meiner Video-Tutorials!


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3 Comments

  1. Mia

    Kann es sein, dass der Artikel fälschlicherweise schon mal veröffentlicht wurde? 🙂
    Ich war „damals“ schon total beeindruckt von den tollen Motiven, die Anja da mit Pastellkreiden zu Bilde gebracht hat!
    Die Tipps sind auf jedenfall gut zu lesen und bestimmt sehr brauchbar für jeden Pastellanfänger *g*
    Ich pers. bleibe erst mal eher in der Aquarellecke 🙂

    1. Hi Mia,

      Anja hier – vielen Dank für dein nettes Feedback, vielleicht probierst du eines Tages Pastellkreide aus 😉
      Jaaa, die Aquarellecke ist natürlich auch eine sehr schöne Ecke, ich verstehe schon, dass du gerne dort bist…
      LG Anja

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